Anna und Mike: Auf der Suche nach einem Genre
Anna und Mike lernen sich als Teenager kennen und verlieben sich ineinander. Ihre gemeinsame Schulzeit stellt Weichen für ein ganzes Leben. Aus einer kleinen Erzählung sind im Verlauf der Jahre neun Bände geworden. Eine Ennealogie, die in meiner Generation spielt. Gen X. Geboren in der DDR, erleben meine Protagonisten die Wende mit all ihren Veränderungen, die Digitalisierung und den Wandel der Gesellschaft. Sie brechen mit moralischen Konventionen und bleiben sich selbst treu. Die Handlung ist fertig geschrieben, die Veröffentlichung rückt näher. Doch in welches Genre ordne ich meine Romanreihe ein? Braucht es überhaupt ein eindeutiges Genre? Warum ist es für mich so schwierig, meine Geschichte eine Schublade zu packen? Ich begebe mich einmal auf die Suche nach einer Antwort!
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Eine Geschichte aus unserer Zeit
Anna ist so alt wie ich, Mike ein wenig älter. Meine Romanreihe und zwei weitere Manuskripte, die in meiner Schublade liegen, spielen in meiner Generation. Die Geschichten leben in meinem Kopf: Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, in welchem Jahrhundert ich meine Handlung ansiedeln möchte. Anna und Mike wachsen in der DDR auf. So wie ich. Sie lernen sich in der Tanzstunde kennen. Später erleben sie die Wende und die Veränderungen, die jedes Jahrzehnt mit sich bringt.
In den letzten Büchern versuche ich, in die Zukunft zu schauen. Wir wissen nicht, was uns in zwanzig oder dreißig Jahren erwartet und ich möchte nicht allzu stark fantasieren. So ist der Zeitraum in meinen Büchern nur ein Rahmen der Handlung. Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten, ihre Familien und die Beziehungen, die sie miteinander leben.
Ein interessantes Projekt
Vor längerer Zeit meldete ich mich in einer Community an, in der sich Autoren über ihre Projekte austauschen. Ich stellte meine Romanreihe vor. Ein Moderator begrüßte mich. Er schrieb mir, wie interessant er es findet, dass die Handlung in der Gegenwart spielt. Das wäre bei großen Projekten eher selten.
Seit dieser Nachricht sind etwa sechs Jahre vergangen. Heute schreiben viele Autoren erfolgreiche Reihen in der Gegenwart. Ich sehe die Werke, wenn ich im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann stöbere. Indie-Autoren landen selten auf den Tischen der Buchhandlungen. Doch sie haben ihr eigenes Medium und tauschen sich in den sozialen Netzwerken über ihre Romanreihen aus. Somit hat meine Ennealogie heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr.
Mein Projekt steht vor dem Abschluss. Ich möchte es gern irgendwo einordnen, aber das fällt mir schwer. Es ist eine Liebesgeschichte, aber kein Romance. Es ist ein Familienroman, aber keine Saga. Weil die Familie, ebenso wie die Zeit, einen Rahmen der Handlung einnimmt. Es ist ein Entwicklungsroman. Oder ein Gegenwartsroman. Doch beides ist zu wissenschaftlich.
Von der Liebesgeschichte zum Entwicklungsroman
Gegenwartsroman und Entwicklungsroman sind passende Kategorien für meine Romanreihe. Aber es sind wissenschaftliche Gattungen aus meinem Germanistik-Studium. Ich glaube nicht, dass mein Werk jemals in einem Seminar von Studenten analysiert wird. Das ist auch nicht mein Anspruch. Ich freue mich, wenn Leser zu mir finden. Aber Weltliteratur wollte ich nicht abliefern. Das könnte „Anna und Mike“ nicht leisten.
In meinen Beschreibungen verwende ich die Begriffe Liebesgeschichte, Beziehungsgeschichte, Familiengeschichte. Das trifft die Handlung ganz gut. Aber es ist zu breit aufgestellt. Wenn ich mein Buch auf dem Markt anbieten möchte, brauche ich eine Schublade. Doch welche passt am besten?
In welchem Genre schreibe ich?
Seit längerer Zeit versuche ich, die Frage für mich selbst zu beantworten. In den sozialen Netzwerken tausche ich mich mit anderen Autoren aus. Ich schaue mir Buchvorstellungen an, die in Kleinverlagen oder im Selfpublishing erscheinen. Und ich erkenne, was bei den Lesern beliebt ist: Romance und Fantasy stehen auf der Scala ganz oben. In diesen Genres gibt es zahlreiche Buchreihen, die gern gelesen werden.
Ich schreibe leider weder das eine noch das andere und falle mal wieder aus dem Rahmen. Das passiert mir in meinem Leben recht oft. Nicht immer ist das schlecht. Aber es ist komplizierter. Doch ich kann meine Geschichte nicht in eine Gattung pressen. Sie wandert aus meinem Kopf auf das Papier. Und dann muss ich ein Genre dafür finden.
Fantasy scheidet für mich aus. Ich bin ehrlich: Dieses Genre lese ich nicht so gern. Meine Söhne sind mit Harry Potter groß geworden. Als die ersten Bücher verschlissen waren, haben wie die Reihe ein zweites Mal gekauft. Die Hälfte vom ersten Buch habe ich geschafft. Ich komme da einfach nicht ran. Dafür kenne ich alle Filme. Ich bewundere Autoren, die fremde Welten erschaffen können. Mir gelingt das nicht.
Romance ist die zweite beliebte Gattung. Das würde schon eher passen. Doch dieses Genre hat verschiedene Unterkategorien und ist recht eng definiert. Die Autoren sind jung. Sie schreiben für eine junge Zielgruppe.
Ich bin nicht mehr jung. Meine Testleser sind zwischen 35 und 80 Jahren alt. Vielleicht würde der erste Band in die Romance-Kateogorie passen. Aber ob junge Mädchen heute lesen möchten, dass ihre Großelterngeneration in die Tanzschule ging und dem Schwarm lange Briefe schrieb?
Meine Leser der Generation X fanden das interessant. Ich würde die Welt unserer Jugend sehr realistisch auferstehen lassen, lautete der schöne Kommentar einer Frau, die etwa so alt ist wie ich. Doch meine Generation kann mit dem Genre Romance nicht viel anfangen.
Romance: Ein Genre mit Unterkategorien
Romance kennt Unterkategorien wie Young Adult, Romantasy oder Cosy Romance. Mir ist aufgefallen, dass die Strömungen gar nicht eindeutig erklärt werden können. Ich habe gelesen, dass Romance immer ein Happy End haben muss. Oder ein „Happy For Now“. Das erinnert mich an die Märchen der Gebrüder Grimm: Und sie lebten zusammen, bis dass der Tod sie scheidet. In anderen Definitionen muss das Happy End dann doch nicht zwingend sein. Vielleicht sind die unterschiedlichen Beschreibungen darauf zurückzuführen, dass das Genre noch relativ jung ist.
Ich habe mich in den verschiedenen Definitionen nirgendwo wiedergefunden. Hat meine Geschichte denn ein Happy End? Auch diese Frage ist schwierig zu beantworten. Sie begleitet meine Protagonisten durch ihr gesamtes Leben und endet nicht an einem Punkt, an dem sie sich finden und miteinander glücklich sind.
In das Genre „Young Adult“ passt vielleicht das erste Buch, in dem sich Anna und Mike von Teenagern zu jungen Erwachsenen entwickeln. Doch die Handlung spielt nicht in unserer Zeit. Es gibt keine Smartphones, kein Social Media, nichtmal ein Telefon. Anna steht im Winter an der Telefonzelle an, um ihren Schwarm anzurufen. Ob junge Erwachsene, die New Adult lesen, das so spannend finden? Zumal meine Romanreihe „spicy“ ist, was junge Menschen nicht lesen sollen oder nicht lesen wollen.
Fazit: Ich schreibe eine Mischung aus Young Adult und Spicy Romance. Aber beides taucht nur in einigen Szenen oder Kapiteln auf. Schauen wir uns doch mal die anderen Unterkategorien des Romance an!
Von Cosy Romance bis Romantasy
Die Untergattungen scheiden für meine Romanreihe aus. Die Handlung ist oft sehr romantisch, aber leider wenig gemütlich. (Cosy Romance).
Dark Romance gibt es in einigen wenigen Szenen. Rom Com trifft nicht zu, weil ich keine Komik schreibe. Ebenso wenig einen romantischen Thriller (Romantic Thrill). Dann gibt es noch die Mischung aus Fantasy und Romance. Ich habe mich schon dazu bekannt, dass ich Fantasy nicht kann. Also ist mein Roman kein Romantasy.
Ich bin keine Romance-Autorin
Ich sehe mich persönlich nicht als Romance-Autorin, weil ich zu alt bin und eine andere Sprache spreche, als die jungen Autorinnen. Die Bedeutung der verschiedenen Genres musste ich erst einmal googeln. Dann bin ich zu allem Überfluss auch noch „spicy“ und verspreche meinen potenziellen Lesern weder ein „Happy End“ noch ein „Happy for Now„.
Der erste Roman beginnt mit einer großen Liebe. Aber er entwickelt mehrere Dimensionen: Familie, Freunde, der Beruf und Konflikte, die sich aus dem Leben ergeben. Ist meine Romanreihe eine Liebesgeschichte?
Liebesgeschichte
Die Definition der Liebesgeschichte passt etwas besser in meine Romanreihe.
Hier steht zwar ebenfalls die Liebe im Mittelpunkt, doch sie muss nicht zwangsläufig die gesamte Handlung dominieren oder glücklich enden.
Quelle: Kassia I. Hill
In der Beschreibung meiner Romanreihe spreche ich gern von einer Liebesgeschichte. Wobei das Genre mitunter einen Touch hat, der in Richtung Rosamunde Pilcher oder Hedwig Courths-Mahler gehen. Dieser Vergleich würde beim Leser ganz falsche Erwartungen wecken.
Anna und Mike ist eine Liebesgeschichte, die sich entwickelt. Zwei Menschen lieben sich mit fünfzehn und siebzehn Jahren anders, als dreißig Jahre später. Die Veränderung, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, ist die große Herausforderung einer jeden Jugendliebe. Bleiben beide für immer zusammen oder verbindet sie etwas ganz anderes? Das möchte ich noch nicht verraten. Fest steht: Das Genre Liebesgeschichte passt zu meiner Romanreihe.
Familiensaga
Die Saga ist in meinen Augen ein Epos, das in der Vergangenheit spielt und die Geschichte über mehrere Generationen erzählt. Meine Romanreihe umfasst einen Zeitraum von acht Jahrzehnten. Es werden Nachkommen geboren, das Leben der Eltern hat ein natürliches Ende. Aber der Fokus meiner Geschichte liegt auf den Protagonisten und nicht auf der Familie. Aus diesem Grund ist mir die Bezeichnung Familiensaga etwas zu groß.
Meine Testleser empfinden die Saga als passend. Doch ich habe Berührungsängste und möchte meinen Erstling ein wenig bescheidener einführen. Somit habe ich mich entschieden, die Romanreihe mit dem Begriff der Ennealogie zu umschreiben. Die Bezeichnung ist nicht so bekannt, kann bei Interesse aber schnell entschlüsselt werden. Es ist ein Roman, der aus neun Bänden besteht und eine fortlaufende Handlung hat. Anna und Mike. Eine Ennealogie. Hört sich gut an! Aber ein Genre ist das nicht.
Mit dem Begriff der Familiengeschichte kann ich mich auch gut anfreunden. Anna und Mike stehen im Mittelpunkt der Handlung. Doch sie sind Teil einer großen Familie, die sich im Verlauf der Handlung immer weiter verzweigt. Somit ist die Familie ein wichtiger Bestandteil der Handlung. Sie steht aber nicht im Mittelpunkt.
Gegenwartsroman und Entwicklungsroman
Beide Genres könnte ich für mich in Anspruch nehmen. Doch sie sind eher wissenschaftlich besetzt. Gegenwartsliteratur beginnt genau genommen mit der Wende und beschreibt einen Zeitraum von etwa 25 Jahren bis 2015. Ich beginne früher und ende später. Doch meine Romane spielen in unserer Zeit.
Anna und Mike hat Züge eines Entwicklungsromans. Anna ist zu Beginn ein junges Mädchen. Der Roman begleitet ihre Entwicklung zu einer selbstbewussten jungen Frau. Doch die Geschichte geht weiter. Was sich vom klassischen Entwicklungsroman zu weit entfernt.
Lebensgeschichte
Käme die Lebensgeschichte infrage? Ich verwende sie in meiner Beschreibung, weil das Leben von Anna, Mike und ihren besten Freunden Sandra und Sven seit der gemeinsamen Schulzeit erzählt wird. Doch wenn wir uns die Lebensgeschichte als Genre anschauen, sind wir im Bereich der nichtfiktionalen Literatur. Eine Biografie erfordert eine reale Geschichte.
Anna und Mike ist ein fiktionaler Roman. Er hat autobiografische Züge. So war ich mit meiner Klasse in der Tanzschule, hatte einen Freund, der bei der Armee war, und ich wuchs in einem Haus mit großem Obstgarten auf. Außerdem spielen die Romane in meiner Heimat.
Da es keine Biografie ist, wäre das Genre der Lebensgeschichte falsch. Und damit hätte ich alle Möglichkeiten durchgearbeitet. Doch wofür habe ich mich entschieden?
Anna und Mike: Ein Liebes- und Familienroman
Ich habe die Genres mehrfach durchgespielt und miteinander verglichen. Und möchte das Genre meiner Roman-Ennealogie als Liebes- und Familienroman festlegen. Die emotionale Bindung meiner Protagonisten trägt die Handlung. Ihre Liebe beeinflusst eine Familie, die sich immer weiter verzweigt.
Es gibt viele Romane, die nicht eindeutig in ein Genre passen. Anna und Mike ist in Teilen ein Entwicklungs-, Gesellschafts- und Gegenwartsroman. Somit haben wir fünf verschiedene Beschreibungen. Eine finale Entscheidung werde ich erst treffen, wenn ich meine Ennealogie für den Verkauf in ein Genre einordnen muss.
Ich habe der KI von meiner Romanreihe erzählt und um eine Beschreibung gebeten. Das Ergebnis finde ich recht gelungen.
Deine Romanreihe ist eine zeitgeschichtliche Familiensaga über eine Liebe, die sieben Jahrzehnte überdauert und das Schicksal zweier Familien prägt.


ISSN 3053-6758
JE 2026-16


