Tanz mit einem fremden Mann: Vertrauen in langen Beziehungen

Tanz mit einem fremden Mann: Vertrauen in langen Beziehungen

Eine Kleinstadt. Ein lauer Frühlingsabend. Und eine Bühne, auf der eine Band spielt. Ich bin allein unterwegs. Mein Mann arbeitet. Unsere erwachsenen Kinder haben sich mit ihren Freunden verabredet. Da möchte ich mich nicht anschließen. Ich habe kein Problem damit, allein unterwegs zu sein. Es ist möglich, dass mein Mann nachkommt, wenn er mit der Arbeit fertig ist. Ich hole mir einen Snack und setze mich auf eine Bank. Die Musik ist gut, meine Stimmung auch. Eine Stunde später werde ich vor der Bühne mit einem fremden Mann tanzen und den Abend mit ihm verbringen. Ich begegne meinen Kindern, es kommt zu einer Diskussion. Warum verstehen junge Menschen so wenig von dem Vertrauen in langen Beziehungen?

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Warum ich allein auf ein Volksfest gehe

Ich liebe Volksfeste! Eine gute Coverband und ein bisschen Platz zum Tanzen: Mehr brauche ich nicht, für einen gelungenen Abend. In der Regel begleitet mich mein Mann. Auch er mag die Stimmung, die laute Musik und das Gefühl der Freiheit, das Frühlingsfeste vermitteln. Nach dem langen, bei uns meistens grauen Winter endlich wieder abends draußen sitzen. Zur Musik aus der Jugendzeit mitsingen. Und Erinnerungen austauschen.

Es gibt sicher viele Menschen, die niemals allein auf ein Volksfest gehen würden. Ich gehöre nicht dazu. Als Freiberuflerin mit einem in Schichten arbeitenden Mann bin ich es gewohnt, viel allein zu sein. Ich habe keine Kollegen. Unsere Freunde mögen gute Gespräche im gemütlichen Wohnzimmer oder im Restaurant. Laute Volksfeste sind nicht ihr Ding. Doch Alleinsein heißt ja nicht, einsam zu sein. Ich gehe allein ins Kino, ins Restaurant und ich besuche ein Volksfest ohne Begleitung. Damit habe ich kein Problem.

Autoren sind einsame Wölfe

Ich erinnere mich an den Film „Mamma Mia“ mit Meryl Streep. Ihre Freundin Rosie, gespielt von der wunderbaren Julie Walters, ist Autorin. Sie verguckt sich in Bill, ebenfalls Schriftsteller. Die Rolle verköpert Stellan Skarsgård. Ich liebe den Film und die Schauspieler. Daher habe ich ihn so oft gesehen, dass mir Rosies Aussage, dass Autoren „einsame Wölfe“ wären, in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Denn genauso kann man unseren Beruf treffend umschreiben.

Für uns, die wir uns dem Spiel mit den Worten verschrieben haben, wäre der Trubel eines Großraumbüros mit schwatzenden Kollegen eher kontraproduktiv. Wenn wir allein sind, gehen wir unseren Gedanken nach. Es formen sich Ideen, für die nächsten Texte. Wir gewinnen Eindrücke, die wir in unsere Arbeit einfließen lassen. Wäre ich an dem Abend nicht allein auf dem Volksfest gewesen, hätte ich diesen Artikel nicht schreiben können. Über das Thema „Vertrauen in langen Beziehungen“ hätte ich vermutlich gar nicht nachgedacht. Weil es für mich selbstverständlich ist.

Nun war die einsame Wölfin allein unterwegs. Aber sie blieb nicht lange allein. Auf einer Bierbank wurde sie von einem Mann angesprochen. Und der Abend, der in einem Familienkrach endete, nahm seinen Verlauf.

Magst du tanzen?

Die Schmalzstulle mit Gurke ist ein traditionelles Gericht, auf dem Volksfest, das die Stadt seit fast 150 Jahren begeht. Ich ließ sie mir schmecken und schaute dabei zur Bühne. Im Takt der Musik wippte ich hin und her und schaute zu, wie Jung und Alt tanzten. Ich saß seitlich auf der Bierbank, hinter meinem Rücken saß jemand, aber das interessierte mich weniger als das Geschehen vor mir.

Nach einigen Minuten hörte ich in meinem Rücken die Frage, ob ich mein Gesicht mal zeigen möchte. Ich hatte es unter einem Sonnenhut verborgen, obwohl die warmen Strahlen schon hinter den Häuserfassaden des Marktes verschwunden waren. Doch die Frisur leidet unter dem Hut. Also blieb er auf dem Kopf.

Mein Gesicht zeigte ich trotzdem. Ich sagte „hallo“, ein Platz auf der anderen Seite des Tisches wurde frei. Da setzte ich mich hin und konnte dem Mann, der hinter mir gesessen hatte, in die Augen schauen. Er stellte sich vor, wir kamen sofort ins Gespräch. Erst ging es über Kultur, Volksfeste und unsere Berufe. Dann erzählten wir uns, dass wir beide lange mit unseren Partnern verheiratet sind. Mein Mann arbeitete lange, an diesem Abend. Seine Frau war beruflich in Bayern unterwegs.

Die Band ging in die Pause, ein DJ spielte Musik aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle. Der Mann forderte mich zum Tanzen auf. Wir waren beide textsicher und stellten fest, dass wir in unserer Jugend die gleiche Musik gehört hatten. Erst tanzten wir getrennt, dann führte er mich durch einen schnellen Discofox. Er konnte gut führen. Nach der NDW-Runde setzten wir uns wieder hin.

Romantische Stimmung beim Feuerwerk

Ich sah auf meine Uhr. Es sollte ein Feuerwerk geben. Doch dazu musste ich den Markt verlassen. Hinter der 200 Jahren Eiche und den hohen Häusern war es nicht zu sehen. Sollte ich fragen, ob er mitkommen möchte? Oder einfach aufstehen? Er kannte unsere Stadt nicht, wohnte in einem anderen Landkreis. Ich fragte ihn, ob er mich begleiten wolle, und er freute sich über das Angebot.

Gemeinsam verließen wir den Markt. Er hakte mich unter. Dass er mich an der Hüfte umfasste, wollte ich nicht. Es war mir zu intim. Er respektierte das. Auch während des Feuerwerks, das wirklich schön war. Wir sprachen nicht, standen eng zusammen. Die Stimmung war irgendwie romantisch. Aber so ist das nunmal, beim Feuerwerk. Geprickelt hat da nichts. Es war einfach nur angenehm. Und es wird in Erinnerung bleiben.

Kleine Komplimente

Danach ging das Fest weiter. Wir liefen wir zurück auf den Markt, doch die Musik gefiel uns nicht mehr. Er hatte mir erzählt, dass er mit dem Fahrrad gekommen war. Es stand an einem Supermarkt. In der Nähe befand sich eine Kneipe, von der ich wusste, dass dort noch etwas los war. Langsam liefen wir dorthin.

Er hakte mich wieder ein. Sagte, dass ich ihm gefiele und eine interessante Frau sei. Und er freute sich, dass es diese Kneipe gab und dass wir noch ein wenig Zeit miteinander verbringen konnten. Ich hätte nach Hause laufen können, doch ich fand es interessant, mich mit ihm zu unterhalten. Wir einsamen Wölfe finden es dann doch ganz gut, wenn wir ganz unverhoffte Gesellschaft bekommen.

Haben wir geflirtet?

Wir fanden vor der Kneipe einen Platz auf den Bänken, die der Betreiber auf dem Fußweg aufgestellt hatte. Das Bierzelt hatte noch auf. Der Mann holte zwei Getränke. Ich sah ihm nach und erkannte meinen Sohn, der mit Freunden auf der Bank neben uns saß. Wir winkten uns zu, den Mann kam mit den Getränken. Mein Sohn erstarrte.

Ich setzte die Unterhaltung mit dem Mann fort. Jetzt sprach er über seine Beziehung und die erwachsenen Kinder. Er hatte einen eigenen Betrieb, den niemand übernehmen wollte. Ich sprach von meiner Arbeit, die er sehr interessant fand. Beim Erzählen legte er einige Male die Hand auf meinen Unterarm. War das ein Flirt? Für mich fühlte es sich normal an.

Wer war das? – Wenn Kinder die Eltern nicht verstehen

Die Jungs und Mädels vom Bierwagen läuteten die letzte Runde ein. Der Mann holte für sich ein Bier und für mich eine Cola. Er möchte nicht, dass er Abend zu Ende ist, sagte er. Als er mit den Getränken wiederkam, setzte sich mein Sohn zu uns. Er war nicht betrunken, aber auch nicht mehr nüchtern, nach dem Abend auf dem Volksfest. Er wollte von dem Mann wissen, wer er war. Dann ranzte er ihn an, er möge doch bitte seine Mutter – mich – in Ruhe lassen.

Ich war etwas amüsiert, über diesen Auftritt. Ich nannte den Namen des Mannes, sagte, dass wir uns auf dem Markt kennengelernt hätten, und bat meinen Sohn, wieder zu seinen Freunden zu gehen. Es wäre alles in Ordnung. Das tat er auch. Aber wir fühlten uns fortan von seinen Blicken beobachtet.

Nachdem wir das letzte Getränk geleert hatten, war der Abend zu Ende. Ich brachte den Mann zu seinem Fahrrad. Den ganzen Abend gab es kein Netz, auf dem Fest. Er gab mir eine Visitenkarte und bat mich, dass ich ihm mal schreiben möge. Ich wollte es mir überlegen. Wir verabschiedeten uns mit einer kurzen Umarmung. Er verschwand auf dem dunklen Parkplatz des Supermarktes. Ich schlug den Weg nach Hause ein. Dabei musste ich an der Kneipe vorbei, vor der wir gesessen hatten. Mein Sohn stand vor dem Bierwagen und stellte mich zur Rede.

Der wollte was von dir

Was ich mir bei dieser Aktion gedacht hätte, wurde ich von meinem Sohn gefragt. Der Typ hatte mich angemacht, angegrabscht, wir hätten wild geflirtet und er wollte was von mir. Ich fand seinen Auftritt lustig und respektlos zugleich. Mein Sohn ist ein angenehmer und verträglicher Charakter. Alkohol trinkt er einmal im Jahr auf dem Volksfest. Der war ihm wohl zu Kopf gestiegen.

Rechtfertigen wollte ich mich nicht. So sagte ich nur, dass der Mann verheiratet wäre, dass wir ein paar schöne Stunden miteinander verbracht haben und dass er jetzt auf dem Weg zu seiner Unterkunft wäre. Ich wollte nach Hause und bat meinen Sohn, sich zu beruhigen und auch bald nach Hause zu gehen.

Müssen wir uns vor unseren Kindern rechtfertigen?

Zuhause traf ich auf meinen jüngeren Sohn und auf seine langjährige Freundin. Ich erzählte von meinem Abend. Mein Mann schlief schon. Seine Nachricht, dass er zu müde wäre, um noch auf das Fest zu kommen, erhielt ich auf dem Nachhauseweg. Die Stadt leerte sich, das Netz war wieder da.

Meinem jüngeren Sohn und seiner Freundin, beide Anfang 20, froren die Gesichtszüge ein.

Mit mir dürfte er das nicht machen

Das sagte meine Schwiegertochter. Mein Sohn stimmte ihr zu. Beide waren auch auf dem Fest gewesen, hatten aber keinen Alkohol getrunken. Ihre Meinung war weniger drastisch, doch sie traf den gleichen Kern: Das geht gar nicht.

Eine Rechtfertigung gab ich nicht ab. Vor keinem meiner beiden Söhne und auch nicht vor meiner Schwiegertochter. Doch ich fragte mich, warum meine Kinder mir diesen für mich schönen Abend nicht gönnten. Und warum wir so unterschiedliche Meinungen darüber hatten, was ein Flirt wäre und wie weit Verheiratete gehen dürfen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen

Meinen Mann lernte ich als Teenager kennen. Vierzig Jahre gemeinsames Leben verbinden uns. Mein Begleiter sprach von seiner Silberhochzeit im Sommer. Es war seine zweite Ehe. Die erste hielt nur kurz.

Langzeitbeziehungen sind von einem großen Vertrauen zueinander geprägt. Fremdgehen oder ein One-Night-Stand sind Begriffe, die in unseren Gedanken gar nicht vorkommen. Mein Mann und ich hatten damit in all den gemeinsamen Jahren keine Probleme. Es gibt keine Lust und kein Verlangen, die Ehe zu öffnen oder aus ihr zu entfliehen.

Ich bin fremdgegangen

Mit diesem Satz begann ich, meinem Mann von dem Abend zu erzählen. Ich blieb bierernst und erzählte die Geschichte, so, wie sie sich ergeben hatte. Nur behauptete ich, etwas mit dem Mann gehabt zu haben.

Mein Mann grinste mich an, nicht schief, nicht verlegen, sondern ganz entspannt.

Sowas machst du nicht.

Diese vier Worte drückten aus, was uns verband: Wir machen sowas nicht. Mir ist bewusst, dass es in anderen Beziehungen nicht so ist. Im Bekanntenkreis gab es ein Paar, das ebenso lange zusammen war wie wir. Der Mann suchte viele Jahre regelmäßig nach kleinen Abenteuern. Die Frau litt darunter, aber sie ließ ihn gewähren. Mit zunehmendem Alter wurde er ruhiger und beide führten eine sehr glückliche Beziehung.

Er hat Bier getrunken?

Ich erzählte meinem Mann von dem Abend, und er lächelte in sich hinein. Mein Begleiter hatte Bier getrunken. Sicher nicht wenig, über den Tag verteilt. Ich trinke keinen Alkohol, mein Mann wirklich nur sehr selten. Und dann beschränkt er sich auf ein oder zwei Gläser. Mein Vater verstarb früh an seiner Alkoholsucht. Eine solche Kindheit prägt: Ich könnte mit einem Mann nichts anfangen, der ein Bier nach dem anderen trinkt.

Wenn ich mich mit einem Mann auf einem Volksfest unterhalte, ist es mir egal, was und wie viel er trinkt. Zumindest solange die Unterhaltung noch möglich ist. Wollte ich mich verlieben oder würde ich nach einem One-Night-Stand suchen, wäre Bier ein absolutes Ausschlusskriterium.

Das weiß auch mein Sohn, der mich ja offensichtlich im Blick behalten hatte. Er hätte wissen müssen, dass für mich mehr als ein Tanz und eine Unterhaltung niemals infrage gekommen wäre. Selbst dann nicht, wenn ich an diesem Abend für irgendetwas offen gewesen wäre.

Die besondere Atmosphäre

Ich sprach mit meinem Mann über die besondere Atmosphäre, die diesen Abend begleitete. Mein Begleiter war sympathisch, er hatte viele Interessen, wir stellten fest, dass wir in unserem Lebenslauf Gemeinsamkeiten hatten. Ja, er sprach davon, dass ich ihn besuchen kommen könnte. Ich hielt mich zurück, weil ich von Anfang an wusste, dass sich unser Zusammensein auf diesen Abend beschränken würde.

Wir waren jeder für sich allein unterwegs und irgendwo froh, dass wir einen Gesprächspartner gefunden hatten. Doch mehr war es einfach nicht. Das Feuerwerk, die Tänze und die gute Stimmung auf dem Fest trug den Abend. Vermutlich gibt es Menschen, die ähnlich denken, wie mein Sohn. Es überschreitet eine Grenze, wenn man mit einem fremden Mann erzählt, lacht und Körperkontakt hat.

Vom Vertrauen in langen Beziehungen

Der kleine Konflikt mit meinem Sohn hat mich noch eine ganze Weile beschäftigt. Vor allem deshalb, weil sein jüngerer Bruder und meine Schwiegertochter im Grunde der gleichen Meinung waren: Eine Frau kann nicht mit einem Mann tanzen, sich beim Reden berühren, miteinander etwas trinken und lachen. Das ist Grenzüberschreitung.

Natürlich habe ich darüber nachgedacht, wie ich empfinden würde, wenn es umgekehrt gewesen wäre: Mein Mann würde einen Abend mit einer Frau verbringen. Das ist tatsächlich schon passiert. Auf einem Betriebsausflug, bei dem die Kollegen hinterher in einem Hotel schliefen. Ich habe meinem Mann keine Sekunde misstraut. Es ist in unserer Ehe einfach kein Thema. Wir haben diesbezüglich ein tiefes Vertrauen zueinander.

Dies bestätigte mir ein Freund, ebenfalls verheiratet und in unserem Alter. Er meinte, dass er ein großes Problem hätte, wenn seine Gattin ihn zur Rede stellen würde, weil er sich mit anderen Frauen austauscht. Denn er redet viel lieber mit Frauen, als mit Männern. Er spricht es offen aus, wenn er eine Frau attraktiv findet. Für seine Gattin ist das gar kein Problem. Im Gegenteil: Sie würde sich sorgen, sagt sie, wenn er eines Tages keine Komplimente mehr vergeben würde. Beide führen ebenfalls eine lange, sehr glückliche Beziehung miteinander.

Junge Beziehungen sind enger definiert

Ich habe zurückgeblickt in die Wendezeit, als mein Mann und ich ein junges Paar waren. Ich war schwanger, mit unserem zweiten Kind, und ging in der Silvesternacht früh ins Bett. Wir wohnten in einem Neubau, mein Mann feierte mit den Nachbarn weiter. Ich wurde wach, er war noch nicht zu Hause. Hatte er nicht vorher schon mit der Nachbarin geflirtet? Wir stritten am Neujahrsmorgen heftig.

In der Erinnerung an diese Nacht verstand ich unseren Sohn, der zehn Jahre älter ist als wir es damals waren, sehr viel besser. In jungen Beziehungen fehlt das Urvertrauen. Neugier und Abenteuer sind sehr viel stärker ausgeprägt. Die Partner kennen sich noch nicht so gut.

Es ist nicht die fehlende Toleranz: Junge Beziehungen sind enger definiert. Es ist leichter, sich neu zu verlieben. Die Hemmschwelle für die gemeinsame Nacht ist kleiner. Blickt der Partner einem anderen Menschen zu tief in die Augen, löst das Eifersucht aus. Vielleicht sind Ängste dabei: Die Langzeitbeziehung stirbt aus. Ob es in der nächsten Generation noch Paare geben wird, die ihr ganzes Leben miteinander verbringen? Leider werden wir es nicht mehr erfahren.

In einer Welt, in der sich Menschen häufiger trennen, als dass sie für ihr Leben zusammenbleiben, sind diese Ängste nachvollziehbar. Und die Besitzansprüche, die mit ihnen verbunden sind, auch.

Die Partnerschaft in der Lebensmitte hat viele Facetten

Ich war sechzehn, als ich meinen Mann kennenlernte. Vorher hatte ich eine Brieffreundschaft mit einem Armisten und eine kurze Sommerliaison, bei der ich mein erstes Mal erlebte. Das fand ich furchtbar. Mehr als zwei Drittel meines Lebens verbringe ich mit meinem Mann. Wäre er nicht mehr da, weil uns das Schicksal früh trennt, bliebe ich allein. Ich kann mir mit einem anderen Mann überhaupt nichts vorstellen. Keinen One-Nicht-Stand, und schon gar nicht ein gemeinsames Leben.

Dabei spreche ich für mich: Es gibt Paare, die sich nach vielen gemeinsamen Jahrzehnten trennen und noch einmal von vorn beginnen. Doch es gibt auch Frauen und Männer, die nach dem Verlust in einer langjährigen Partnerschaft allein bleiben. Ich glaube, zu diesen Menschen würde ich gehören. Mein Mann sagt das Gleiche von sich.

Jenseits der 50 ticken wir anders, als mit 20 oder 30. In der Beziehung zwischen meinem Mann und mir ist Fremdgehen kein Thema. Andere Paare öffnen ihre Beziehung. Wieder andere trennen sich, bleiben aber verheiratet, weil sie doch für ein Leben miteinander verbunden sind. Und es gibt auch in unserem Alter diejenigen, die auf der Suche nach neuen Abenteuern sind.

Junge Generation – alte Werte

Junge Menschen leben heute sehr vielschichtig. Die einen leben sehr offen, sie möchten sich nicht binden und leben ihre Freiheit. Andere folgen den alten Werten. Dieses Werteverständnis verbietet einen zwanglosen Abend, wie ich ihn mit meinem Begleiter erlebt habe. Das ist vollkommen in Ordnung. Es gab sie, die Zeiten, in denen es sich nicht schickte, sich als verheiratete Frau an der Seite eines anderen Mannes zu zeigen. Zu meiner Generation passen diese Zeiten nicht. Für uns ist es normal, mit dem anderen Geschlecht befreundet zu sein.

Rechenschaft ablegen? – Bestenfalls vor dem Partner

Auch in meiner Generation wird es Menschen geben, für die ein solcher Abend eine Grenzüberschreitung darstellen würde. Letztlich ist es eine Frage, die ein Paar für sich klären muss. Wenn jemand Rechenschaft einfordern darf, dann der Partner. Vor unseren Kindern müssen wir uns nicht erklären. Sie dürfen Fragen stellen. Eine Rechtfertigung dürfen sie nicht einfordern.

Ich werde diesen Abend in einer schönen Erinnerung behalten. Und ich bin mit mir im Reinen. Eine Grenze habe ich nicht überschritten. Es ist nichts passiert, was das Lächeln auf den Lippen meines Mannes zum Gefrieren bringen konnte.

Meinen Begleiter werde ich nicht mehr wiedersehen. Ich habe mein Versprechen gehalten, mich gemeldet und mich für den Abend bedankt. Er schreib zurück, dass er gut zu Hause angekommen wäre. Einen Tag später, am Montag, begann für uns der Alltag. Jeder von uns beiden lebt ihn in seinem Leben.

Wie denkst du darüber? Ist so ein Abend für dich okay oder kannst du die Reaktion meiner Söhne verstehen? Schreib es gern in die Kommentare.

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JE 2026-13

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