Das erste Mal Sex – früher und heute

Das erste Mal Sex – früher und heute

Das erste Mal ist früher wie heute ein Moment, der den meisten Menschen ein Leben lang in Erinnerung bleibt. Mit jeder Generation verändert sich das Erleben. Meine Großeltern warteten standesgemäß bis zur Hochzeitsnacht, während meine Eltern ihr erstes Mal bereits vorher erlebten. In meiner Generation war es üblich, sich auszuprobieren. Die „freie Liebe“ hatte gerade in der DDR einen hohen Stellenwert. Unsere Kinder, die heute 30-jährigen, gingen ebenfalls recht freizügig mit ihrer Partnerwahl um, während die Generation meiner Enkel, die heute Teenager sind, ihr erstes Mal später und bewusster erleben. Teenager sind heute freier, offener und aufgeklärter denn je. Warum halten sich Jugendliche heute trotz aller Offenheit wieder zurück? Und was war anders, in der Zeit ihrer Eltern und Großeltern? Ich wage einen Blick zurück – und einen zweiten nach vorn.

Bleistiftzeichnung eines jungen Paares, etwa 16 bis 18 Jahre alt, das sich eng umarmt und sich ruhig in die Augen schaut – ein Moment von Nähe, Vertrauen und Zurückhaltung.

Das erste Mal – erinnerst du dich?

Sicher gibt es nur wenige Menschen, die sich an ihr erstes Mal nicht mehr erinnern können. Es ist ein besonderer Moment im Leben. Doch nicht alle dürfen ihn mit jemandem teilen, den sie wirklich lieb haben. Nicht selten passiert es aus Neugier oder aus einer Art Torschlusspanik. Alle haben es schon hinter sich, nur ich noch nicht.

Mein erstes Mal passt in die Schublade „ausprobieren“. Sturmfrei, Langeweile, der Typ hatte Lust, ich auch. Es war alles andere als toll. Noch heute, vierzig Jahre später, wünschte ich mir, dass ich es mit meinem Mann hätte erleben dürfen. Ich lernte ihn ein Vierteljahr später kennen.

In meiner Romanreihe erleben Anna und Mike ihr erstes Mal so, wie ich es mir als junges Mädchen unzählige Male vorgestellt habe: Die Beziehung ist gewachsen, beide haben sich langsam herangetastet. Dann stimmen Zeit und Ort, es passiert und es verbindet beide noch ein bisschen enger miteinander.

Sexualität im Wandel – ein Blick auf die letzten hundert Jahre

Im Verlauf der letzten hundert Jahre hat sich die Sexualität grundlegend verändert. Meine Großeltern heirateten im Jahre 1924. Opa war 24 Jahre alt, Oma ein Jahr jünger. Natürlich haben wir nie über das Thema gesprochen. Sowas gehörte sich in meiner Generation nicht. Sexualität war tabu. Doch angesichts der damaligen Traditionen gehe ich fest davon aus, dass sich beide vor der Ehe nicht unbedingt ausgetobt hatten.

Meine Eltern waren 23 und 26 Jahre alt, als sie heirateten. Da kannten sie sich vier Jahre. Von meinem Vater weiß ich, dass er vorher bereits eine Freundin hatte. Bei meiner Mutter waren es nur harmlose Bekanntschaften. Sie gestand aber, dass beide nicht bis zur Hochzeitsnacht warteten. Dennoch waren die Menschen in der DDR der 1960er-Jahre nicht so freizügig wie heute. Meine Mutter erzählte, dass sich zwei Klassenkameraden in der Oberschule ineinander verliebten. Sie waren 17 oder 18 Jahre alt. Das war in dem kleinen Ort ein regelrechter Skandal.

In meiner Klasse „gingen“ ein Junge und ein Mädchen ab der siebten Klasse miteinander. Da waren wir 13 bis 14 Jahre alt. Beide heirateten und sind bis heute zusammen. Bei uns galt eine so frühe Liebe als ganz normal.

Uneheliche Kinder – damals verpönt, heute normal

Mein Mann wurde als uneheliches Kind einer Affäre geboren. Heute würde man das als „One Night Stand“ bezeichnen. Nachdem seine Mutter ein zweites Mal von einer zufälligen Liaison schwanger wurde, heiratete sie den Mann vor der Geburt des Kindes. Sie blieb ein Leben lang mit ihm zusammen. Glücklich war sie nie. Aber die Gesellschaft ließ ihr keine andere Wahl. Es war für eine Frau schwierig, alleinerziehend mit zwei Kindern von unterschiedlichen Vätern Anerkennung zu finden. Also flüchtete sich sich in die Heirat mit einem Mann, den sie nicht liebte.

Heute gilt es als normal, ein Kind vor der Hochzeit zur Welt zu bringen. Als mein Mann und ich heirateten, war unser ältester Sohn bereits geboren. Ebenso ist es normal, unterschiedliche Väter für seine Kinder zu haben. Es ist so normal, dass ich nicht nur einmal gefragt wurde, ob meine vier Kinder den gleichen Vater haben. Das fand ich persönlich unangenehm.

Definitiv ist es gut, dass sich Frauen heute nicht mehr in eine Heirat flüchten müssen, weil sie ungeplant schwanger werden. Und das Patchwork als Lebensform fest in die Gesellschaft integriert ist. Dennoch sollte man auch das klassische Lebensmodell im Hinterkopf behalten und nicht hinterfragen. Ja, es gibt sie noch, die Langzeitehen und Vollgeschwister, die miteinander aufwachsen dürfen.

Die völlige Freiheit

IIn den 1980er-Jahren waren wir in unserer Entscheidung für einen Partner und für den Moment, an dem das erste Mal passieren sollte, völlig frei. Es gab die Pille und Kondome. In unserer Klasse hatteneinige Paare, die ihr erstes Mal schon vor der Jugendweihe. Die fand in der achten Klasse statt. Ich war damals noch nicht so weit. Erst mit 16 passierte das, was ich heute gern ungeschehen machen würde, weil es einfach nur schrecklich war. Damals war ich ein „spätes Mädchen“.

Ebenso normal war es, dass sich Paare trennten und die Mutter ihr Kind allein oder mit einem anderen Partner großzog. In den zwei Jahrzehnten zwischen der Geburt meines Mannes und der unseren ersten Sohnes hatte sich viel verändert. Wir waren noch in der Schule, bei unserem ersten Mal, und viele von uns hatten mehrere Partner, bevor sie „den Richtigen“ heirateten.

Heute bewegt sich das Durchschnittsalter wieder nach oben. Die jungen Menschen lassen sich Zeit, obwohl sie noch freier aufwachsen, als meine Generation im Osten Deutschlands. Sie haben einen ganz normalen Zugang zur Sexualität. In Büchern und Zeitschriften ist das Thema ganz selbstverständlich präsent. Ebenso im Internet, in Form von Filmen und Bildern, von denen es nicht sicher ist, ob sie den Jugendlichen nicht schaden statt nutzen. Vielleicht ist das der Grund, warum die heutige Jugend wieder gehemmter ist?

Studien sprechen von einem Alter zwischen 17 und 19 Jahren, in dem junge Erwachsene ihr erstes Mal erleben. Aber es gibt auch heute noch Mädchen, die erst 13 sind. In meinem Bekanntenkreis wohnt eine 14-jährige mit ihrem gleichaltrigen Freund in ihrem Kinderzimmer. Die Mutter ist sehr offen und hatte mit Zwölf ihre erste Beziehung. Da sie in Schichten arbeitet, ist das junge Paar oft auf sich allein gestellt. Auch das ist eine Momentaufnahme, im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Die Bereitschaft und der richtige Moment

Die Chance, dass das erste Mal so richtig schön wird, ist gegeben, wenn sich beide bereit und ungestört fühlen. Die Angst, dass jeden Moment jemand die Tür aufreißen könnte, hemmt das einmalige Erlebnis ebenso wie fehlende Bereitschaft oder die ungeklärte Frage der Verhütung.

Bis auf wenige Ausnahmen steht Sex unter Jugendlichen nicht unter Strafe. In jedem Fall handelt es sich um Antragsdelikte: Wenn ein 25-jähriger mit einer 16-jährigen befreundet ist, muss das nicht zwingend verboten sein. Dies wäre es nur, wenn Zwang, Unterdrückung oder Nötigung nachgewiesen werden. Ein wenig Vorsicht ist bei Minderjährigen dennoch ratsam. Ist einer der Partner unter 18 Jahre alt oder jünger als 14, kann sich das Gesetz bei Handlungsbedarf einmischen.

Infokasten: Gesetzliche Rahmenbedingungen
Was das deutsche Strafrecht zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vorsieht (vereinfacht)

Hinweis: Das ist eine journalistische Kurzinfo, keine Rechtsberatung. Im Strafrecht hängt viel vom Einzelfall ab (z. B. Abhängigkeit, Druck, Ausnutzung, Geld oder andere Gegenleistungen).

  1. Unter 14: Sexuelle Handlungen mit Kindern sind strafbar.
  2. 14–15: Einvernehmliche Sexualität ist nicht automatisch verboten – es gilt jedoch ein besonderer Schutz. Strafbar kann es werden, wenn deutlich ältere Personen eine fehlende Reife oder Schutzbedürftigkeit ausnutzen.
  3. Unter 16: Zusätzliche Schutzvorschriften greifen, insbesondere bei Machtgefällen, Abhängigkeitsverhältnissen oder gezielter Ausnutzung.
  4. Unter 18: Strafbar ist es u. a. bei Ausnutzung einer Zwangslage oder bei sexuellen Handlungen gegen Entgelt. Auch Autoritäts- und Betreuungsverhältnisse können eine Rolle spielen.
  5. Grundsatz: Entscheidend ist nicht nur das Alter, sondern ob Freiwilligkeit, Gleichrangigkeit und Schutz vor Ausnutzung gewährleistet sind.

Grundsätzlich kannst du davon ausgehen, dass erlaubt ist, was beide wollen. Das Alter spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wenn du volljährig bist, dein Freund oder deine Freundin aber nicht, solltest du ein wenig vorsichtiger sein. Niemand verbietet echte Zuneigung. Doch es darf auch den Verdacht haben, dass Eure Beziehung nicht auf Augenhöhe gelebt wird.

Sind Jugendliche heute wirklich freier als wir früher?

Auf den ersten Blick leben junge Menschen heute in einem System, das ihnen alle Möglichkeiten bietet. Das gilt nicht nur für den Start ins Leben und die Wahl von Beruf oder Wohnort. Auch in Sachsen Liebe ist die Selbstbestimmung groß. Das Verhältnis zu den Eltern ist in vielen Familien offener. Auch wenn es nicht die Norm ist, dass 13- und 14-jährige bereits miteinander leben, gibt es in den meisten Elternhäusern kein Verbot mehr, den Freund oder die Freundin mit nach Hause zu bringen. Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst, machst du, was ich will, ist zum Glück mit dem neuen Jahrhundert faktisch nicht mehr tragbar. Vertreter meiner Generation haben ihn noch öfter gehört.

Ein offeneres Verhältnis zu den Eltern und der selbstverständliche Zugang zu sexueller Aufklärung und Verhütungsmitteln stehen für die Freiheit der Jugendlichen, sich auszuprobieren. In der DDR gab es Kondome nur in Sanitätshäusern. Meistens waren es die Jungen, die mit knallrotem Kopf am Tresen um eine Packung „Mondos“ bitten mussten. Da gab es Hemmungen, die bei dem einen oder anderen Paar zu frühen Schwangerschaften führte.

Mehr Offenheit – mehr Sicherheit?

Mehr Offenheit bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit. Eher ist das Gegenteil der Fall: Auch das sicherste Verhütungsmittel hat eine Fehlerquote. Eine frühe Schwangerschaft steht heute der sozialen Entwicklung mehr entgegen, als vor dreißig oder fünfzig Jahren. Der Schul- und Ausbildungsweg ist in Deutschland lang. Die Jugendlichen sind oft Mitte 20, wenn sie ihren eigenen Haushalt gründen. Für eine frühe Schwangerschaft gibt es Hilfen. Aber dennoch war es in der DDR einfacher, die Mutterschaft mit Ausbildung und Beruf in Einklang zu bringen.

Hinzu kommt, das Jugendliche heute unter einem großen Druck stehen. Die Aufklärung erfolgt nicht mehr im Biologieunterricht oder durch die Eltern, sondern über Social Media oder pornografische Inhalte, die im Netz für jedermann frei zugänglich sind. Die Vergleichbarkeit durch Social Media und das Bewusstsein, dass andere es bereits „getan“ und damit gute oder schlechte Erfahrungen gesammelt haben, verstärkt das ungute Gefühl, nachziehen und mitreden zu wollen. Gleichzeitig wächst die Angst vor Konsequenzen, etwa einer ungewollten Schwangerschaft oder dem Bruch der Beziehung. Und es wächst die Unsicherheit, nicht den richtigen Zeitpunkt zu finden und sich zu früh oder zu spät für das erste Mal zu entscheiden.

Eine individuelle Entscheidung

Damals wie heute ist es wichtig, dass das erste Mal eine individuelle Entscheidung des Paares bleibt. Neugier ist okay, aber keiner von beiden sollte sich unter Druck gesetzt fühlen. Der Moment ist besonders, wenn beide ein Paar sind. Das erste Mal kann aber auch ein One-Night-Stand sein und in schöner Erinnerung bleiben. Es gibt kein Rezept für ein gutes Gelingen. Jeder von uns erlebt es anders. Doch es gibt einen Rahmen, der das Erlebnis zu einer besonders schönen Erinnerung werden lässt.

So fühlt es sich gut an – fünf Dinge, die es braucht

Das individuelle Erleben ist einzigartig. Doch es kann binnen Sekunden zerstört werden, wenn Papa an die Tür klopft oder Mama zur Hausarbeit ruft, weil sie nicht weiß, dass der Freund oder die Freundin zu Besuch ist. Viele junge Menschen leben noch zu Hause, wenn sie sich das erste Mal verlieben oder wenn es mit dem besten Kumpel zu einem One-Night-Stand kommt. Der findet oftmals gar nicht in der Nacht statt, denn die Besuche sind in Elternhäusern oftmals am Abend zu Ende.

Hier sind fünf Ideen für ein schönes Erlebnis:

  • Ungestört sein! Sturmfrei ist die beste Voraussetzung. Die Eltern sollten in den nächsten drei Stunden nicht plötzlich nach Hause kommen.
  • Ein Bett oder eine Couch eignen sich besser zum Kuscheln als die freie Natur. Die Angst, erwischt zu werden, hemmt.
  • Kein Alkohol, um Mut anzutrinken! Wenn das notwendig ist, seid Ihr noch nicht so weit.
  • Das erste Mal ist besonders schön, wenn es sich aus der Situation heraus ergibt.
  • Bitte an Verhütung denken! Die Angst vor einer Schwangerschaft hemmt und nimmt die schöne Atmosphäre.

Je mehr Liebe und Zuneigung ein Paar füreinander empfindet, desto tiefer bleibt das Erlebnis in der Erinnerung hängen. Leider bleiben heute nicht mehr viele junge Paare zusammen: Der Weg ins eigene Leben offenbart Unterschiede, die häufig zu einer Trennung führen. Dass Paare mit ihrer Jugendliebe ein ganzes Leben verbringen, ist sehr selten. Dennoch hat die Jugendliebe oft einen besonderen Platz in der Erinnerung.

Das erste Mal: Ein Moment auf dem Weg zum Erwachsen werden

Das erste Mal ist ein kleiner Meilenstein, auf dem Weg zum Erwachsen werden. Junge Menschen erleben ihn im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, wobei der Trend eher zum höheren Lebensalter geht. Die Gründe dafür liegen unter anderem in einer Verunsicherung, die auf ein Überangebot an Informationen zur Sexualität zurückzuführen sind. Auch sind viele Jugendliche ängstlich oder unsicher.

In der Zeit der Eltern und Großeltern war die Unbekümmertheit größer. Gleiches gilt für den Freiheitsdrang und die Abnabelung von den Eltern. Heute wachsen junge Menschen sehr frei auf und haben zu ihren Eltern ein offeneres Verhältnis. Der erste Sex wird nicht mehr als Befreiung, sondern eher als individuelles Erlebnis verstanden.

Jugendliche sind so frei wie nie, in ihren Entscheidungen. Viele gehen verantwortungsbewusst damit um. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für ein erstes Mal, das ein Leben lang in guter Erinnerung bleibt.

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JE 2026-01

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