Wem gehört die Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern?

Wem gehört die Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern?

Beziehungen innerhalb der Familie sind komplex und nicht immer konfliktfrei. Das Zusammenleben der Generationen ist anspruchsvoller geworden. In meiner Kindheit habe ich gelernt, ältere Menschen zu achten, ihnen Wertschätzung entgegen zu bringen und ihre Eigenarten zu akzeptieren. Heute ist das kein Muss mehr. Die junge Elterngeneration ist sehr selbstbewusst. Sie setzt ihre individuellen Vorstellungen durch, bis hin zu einem Kontaktabbruch, wenn die gesetzten Regeln nicht befolgt werden oder Verletzungen aus früheren Jahren aufbrechen. Doch wem gehört die Beziehung zwischen den Großeltern und den Enkeln? Gibt es Rechte? Und wie weit müssen sich Großeltern anpassen, um den lieben Frieden zu wahren?

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Junge Frau betrachtet ein altes Familienfoto und blättert in Fotoalben mit historischen Familienaufnahmen. Bleistiftzeichnung in Schwarz-Weiß, die die Suche nach den eigenen Großeltern und der Familiengeschichte symbolisiert.
Eine junge Frau stöbert in den Erinnerungen an ihre Großeltern, die sie lange nicht gesehen hat. Die Eltern haben den Kontakt nicht zugelassen.

Kontaktabbruch in der Familie: Ist es ein neuer Trend?

In meiner Kindheit und Jugend war es selbstverständlich, dass die Großeltern ihre Enkel aufwachsen sehen. Heute ist das anders. Junge Eltern sind selbstbestimmter. Bevormundung und Verletzungen nehmen sie nicht mehr hin. Einige verstehen sich in der Entscheidung, wer Zugang zum Kind bekommt und wer nicht, als alleinige Instanz.

Ich lese in Zeitschriften wie der „WELT“ oder der „ELTERN“-Zeitung häufig Berichte zu dem Thema. Manchmal kommt es mir vor, als wäre es ein neuer Trend. Doch wir sind selbst betroffen: Wir haben zu meiner Schwiegermutter und ihrem Ehemann nie den Kontakt abgebrochen, aber ihre Enkel haben sie nur selten gesehen. Selbst haben wir fünf Enkelkinder, aber nur zwei von ihnen gehören zu unserem Leben.

Im zweiten Teil meiner Großeltern-Enkel-Reihe schaue ich mir die Perspektive der jungen Eltern an. Brechen sie den Kontakt zu den Eltern oder Schwiegereltern leichtfertig ab oder steckt doch mehr dahinter? Warum ist es so schwer, miteinander zu reden und eine Lösung zu finden?

Ich werde auf diese Fragen keine allgemeingültige Antwort finden. Doch ich habe mir viele Gedanken gemacht: In meiner Romanreihe Anna und Mike spielt die Beziehung zu den Großeltern eine wichtige Rolle. Ich selbst habe eine enge Bindung an meine Omas und Opas gehabt.

Die wertvolle Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern

Oma und Opa sind für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig. Das bestätigen Studien immer wieder. Aus meiner eigenen Lebensgeschichte kann ich das bestätigen.

Ich habe meine Großeltern geliebt. Sie waren sehr unterschiedlich, aber jeder hat mir auf seine Weise unendlich viel gegeben. Sie verstarben in kurzem Abstand in den 1980er-Jahren. Es ist so lange her, aber meine Erinnerung ist immer noch lebendig.

Oma und Opa haben uns Enkeln Zeit geschenkt. Sie vermittelten uns einen anderen Blick auf die Welt. Gesellschaftsspiele, Geschichten aus der Familie, das Lieblingsgericht oder auch mal eine Süßigkeit: Wir waren so gern bei den Großeltern. Sie gaben uns Geborgenheit. Wenn zu Hause mal Stress war, haben sie sich nicht eingemischt. Doch sie sorgten dafür, dass durch eine kleine räumliche Trennung erst einmal Ruhe einkehrte.

Erinnerungen an Oma und Opa

Die Eltern meines Vaters lebten mit im Ort. Meine Omi habe ich sehr geliebt. Gern würde ich heute mit meinen Enkeln so leben wie sie es mir vorlebte. Aber das ist leider nicht möglich. Zu viel hat sich verändert.

Wir sahen uns mehrmals in der Woche. Jederzeit konnten wir unangemeldet kommen. Meine Großeltern verwöhnten uns. Sie bezogen uns in ihren Tagesablauf ein. Die Zeit in ihrem Haus ist tief in meiner Erinnerung verankert.

Meine Oma mütterlicherseits besuchten wir viele Male im Jahr. Sie war 70 Jahre alt, als ich geboren wurde. Ihre Kindheit verbrachte sie in der Kaiserzeit. Das hatte sie lebenslang geprägt.

Uns Kindern brachte sie klassische Gesellschaftsspiele bei. Gemeinsam schauten wir uns Fotoalben an, sie erzählte von früher. Ihr Leben hatte einen ganz anderen Blickwinkel. Wir kochten gemeinsam und sahen am Abend fern.

Oma stand mit ihren Hühnern auf, die zum Frühstück frische Eier lieferten. Uns ließ sie ausschlafen. Wenn sie ihren Mittagsschlaf hielt, mussten wir leise sein. Nachmittags fuhren wir oft in den Garten, abends verarbeiteten wir die Ernte. Es sind so viele schöne Erinnerungen.

Der Vater meiner Mutter hatte die Familie nach dem Krieg verlassen. Er lebte in einer anderen Stadt und heiratete ein zweites und ein drittes Mal. Opa war Arzt, hatte sieben Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft verbracht und war am Ende seines Berufslebens Obermedizinalrat. Warum er in der DDR geblieben war, hatte ich ihn nie gefragt. Von meinen vier Großeltern war er mir am fernsten. Meine Mutter lernte ihn erst mit sieben Jahren kennen, dann wuchs sie ohne ihn auf. Die Bindung war nicht so stark. Aber trotzdem gehörte er zu unserer Familie.

Kein Kontakt zu Oma und Opa? – Undenkbar!

Es wäre undenkbar gewesen, dass wir zu Oma und Opa keinen Kontakt haben dürfen. Meine Mutter war nicht immer glücklich darüber, dass wir von der Omi so sehr verwöhnt wurden. Aber sie ließ ihre Schwiegermama gewähren, weil sie wusste, dass sie es nicht böse meinte. Vor allem ich profitierte davon: Meine Großmutter hatte zwei Söhne und vier Enkelkinder. Ich war das einzige Mädchen.

Zwischen meiner Oma mütterlicherseits und meinem Vater gab es Spannungen. Wir Kinder merkten es daran, dass Oma uns nie besuchen kam. Die Gründe liegen bis heute im Dunkeln. Die Herkunftsfamilien meiner Eltern waren sehr verschieden. Vielleicht lag es daran.

Einmal im Jahr trafen Oma und Papa aufeinander. Im Sommer, wenn die Geschwister meiner Mutter aus Westdeutschland zu Besuch kamen. Dann waren alle höflich zueinander. Fuhren wir allein zu Oma, fiel niemals ein böses Wort über meinen Vater.

Für das Verständnis zwischen den Generationen ist es wichtig, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen und den Großeltern zu erlauben, die Enkelkinder auch mal zu verwöhnen. Gegenseitige Toleranz, Achtung und Wertschätzung, ich nenne sie gern alte Tugenden oder Werte, sind auch heute noch wichtige Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben.

Eine leichtfertige Entscheidung?

Ein Kontaktabbruch in der Familie ist in den meisten Fällen keine leichtfertige Entscheidung. Und sie ist sehr individuell. Wenn junge Paare über die Gründe sprechen, gleicht kaum einer dem anderen. Körperliche oder seelische Verletzungen in der eigenen Kindheit, fehlendes Interesse an den Enkelkindern oder das sehr eigenständige Leben von Oma und Opa werden häufig genannt. Es gibt Mütter und Schwiegermütter, die sich in das Leben der jungen Familie einmischen.

Es gibt junge Eltern, die den Kontakt zu den Großeltern von einem bestimmten Verhalten abhängig machen. Sie stellen Regeln auf, die Oma und Opa befolgen müssen. Tun sie dies nicht, wird der Kontakt untersagt. Oft bin ich froh, einer Generation anzugehören, die von Oma und Opa noch mit Süßigkeiten verwöhnt werden durfte.

Nicht immer gibt es einen Grund

Nicht immer gibt es einen Grund oder Anlass, der zum Kontaktabbruch führte. Manche Familien passen einfach nicht zueinander.

Meine Mutter hatte zwei Lebensweisheiten. Sie sagte oft, dass durch die Heirat der Kinder völlig unterschiedliche Familien aufeinander treffen. Das funktioniert nicht immer auf Anhieb. Dann braucht es Toleranz, für ein gutes Miteinander.

Und sie meinte, dass wir unsere Kinder nur ein Stück in ihrem Leben begleiten. Dann müssen wir sie loslassen. Das gelingt nicht allen Eltern gleich gut. Vor allem Mütter tun sich mitunter schwer.

Beides kann zu Differenzen führen, die in einem Kontaktabbruch enden. Doch ist das immer der richtige Weg?

Junge Eltern setzen Grenzen

Die junge Elterngeneration ist selbstbewusst und selbstbestimmt. Sie setzt den Großeltern Grenzen. Das ist im Grunde positiv: Einige sehr unschöne Momente, die wir mit unseren Schwiegereltern erlebten, wären uns erspart geblieben. Doch wann sind die Grenzen zu eng gesteckt?

In unserem Bekanntenkreis wollte eine junge Mutter den Süßgkeitenkonsum ihrer Tochter einschränken und bat ihre Mutter, darauf zu achten. Als das Mädchen, es war etwa fünf Jahre alt, das nächste Mal bei der Oma war, stellte sie eine große Schale mit Bonbons und anderen Naschereien auf den Tisch. Die Enkelin durfte sich bedienen.

Ein anderes Beispiel haben wir bei einem kleinen Familientreffen erlebt. Der zweijährige Enkel schaute auf dem Smartphone seiner Mutter eine halbe Stunde lang Videos. Sein Cousin, er ging in die erste Klasse, wollte gern den Sandmann im Fernsehen sehen. Die Mutter des Jüngeren verbot es. „Er hat jetzt lange genug auf das Display geschaut. Den Sandmann gibt es heute nicht.“

Die Oma versuchte, eine Brücke zu schlagen, weil der Sandmann kinngerecht wäre und nur sechs Minuten dauerte. Die Schwiegertochter wertete es als Einmischung. Im folgenden Vierteljahr sah die Oma ihren jüngeren Enkel nicht mehr wieder.

Es sind zwei sehr unterschiedliche Beispiele für Grenzen, die junge Eltern setzen. Wie denkst du darüber?

Wir brechen den Kontakt ab, wenn …

Auch, wenn es Experten und Psychologen gern anders darstellen: Nicht jedem Kontaktabbruch liegt eine tiefe seelische oder körperliche Verletzung aus der frühen Lebenszeit zugrunde. Ich habe einmal recherchiert und einige Meinungen wiedergeben, die den Charakter einer Drohung nur zu gut erfüllen.

Nach der Geburt möchte ich niemanden sehen, sondern die Zeit in Ruhe mit meinem Mann und meinem Baby genießen. Wenn den Großeltern das nicht passt, können wir auf sie verzichten.

Ich möchte nicht, dass meine Kinder Süßigkeiten bekommen. Wenn sich die Großeltern daran nicht halten, gehen die Kinder dort nicht mehr hin.

Die Großeltern möchten nicht mitbetreuen. Dann brauchen sie am Wochenende auch nicht mehr zu kommen.

Ich sage ehrlich, dass ich persönlich keine der drei Aussagen nachvollziehen kann. In meinen Augen fehlen hier die Tugenden, die ich eingangs benannte: Wertschätzung, Achtung und Toleranz.

Die angesprochenen Probleme ließen sich ganz einfach lösen:

  • Die Großeltern lernen das neue Familienmitglied für eine Stunde kennen.
  • Das Enkelkind darf sich bei den Großeltern eine kleine Süßigkeit aussuchen, hat aber keinen ungehinderten Zugang zu den Naschereien.
  • Es wird respektiert, dass die Eltern in erster Linie für die Betreuung der Kinder zuständig sind und aus der Hilfe der Großeltern keine Anspruchshaltung entstehen darf.

Eine anderslautende Meinung ist diese hier:

Großeltern haben keinen Bock auf ihre Enkel. Wir rutschen als Gesellschaft in einen total seltsamen Egoismus ab. Großeltern haben eine Verantwortung für das Aufziehen ihrer Enkel.

Hier lege ich ein klares Veto ein. Großeltern sind für die Erziehung ihrer Enkel nicht verantwortlich. Es gibt Ausnahmen, etwa, wenn es keine Eltern gibt oder diese keine Erziehungsarbeit leisten können. Aber nur weil Mama und Papa sich selbst verwirklichen und feiern gehen möchten, müssen die Großeltern nicht pauschal einspringen. Den „seltsamen Egoismus“ würde ich eher der jungen Mutter unterstellen, die diese Aussage getätigt hat.

Von Grenzen und Erwartungen

Die unterschiedlichen Ansichten machen es schwer, die Selbstbestimmung der jungen Eltern schwer zu beschreiben. Auf der einen Seite setzen sie Grenzen, auf der anderen Seite haben sie Erwartungen. Es ist ein Generationenkonflikt, vorrangig zwischen den Boomer-Großeltern und den Millenials, die ihre unterschiedlichen Erwartungen nicht miteinander kombinieren können.

Wenn ich das lese, stellt sich mir die Frage, wer in diesem Konflikt an die Kinder denkt. Tut es ihnen wirklich gut, wenn die Beziehung zu den Großeltern leichtfertig aufgegeben wird? Haben Eltern das Recht, die Verbindung ohne triftigen Grund abzubrechen? Was ist ein triftiger Grund?

Mir ist bewusst, dass diese Fragen nicht allgemeingültig beantwortet werden können. Doch ich denke, dass die Bindung zwischen Großeltern und Enkeln immer absolute Priorität haben sollte. Kinder gehören ihren Eltern nicht. Sie brauchen ihre Großeltern für eine gesunde Entwicklung.

Ist Gewalt im Spiel, ob körperlich oder seelisch, müssen Kinder davor geschützt werden. Aber wenn Oma zu viele Süßigkeiten erlaubt oder ihr Enkelkind nach der Geburt begrüßen möchte, rechtfertigt das in meinen Augen keinen Kontaktabbruch.

Die Kinder sind Verlierer des Konflikts

Ohne meine Großeltern wäre ein ganz wichtiger Teil meiner Kindheit gar nicht vorhanden. Ich kann mir das nicht vorstellen. Dass mein Mann und ich drei unserer Enkelkinder nicht aufwachsen sehen dürfen, ist ein sehr trauriges Kapitel unserer Familiengeschichte. In der gemeinsamen Zeit, die wir mit den Enkeln verbringen durften, hatten wir ganz viele schöne Momente. Wir sehen unsere Enkel manchmal, weil wir in räumlicher Nähe zueinander wohnen. Manchmal winken sie heimlich, wenn es die Eltern nicht bemerken.

Kinder sind die Verlierer eines solchen Generationenkonflikts. Sie stehen zwischen den Eltern, die sie lieben, und deren Verbot, die Großeltern zu besuchen. Gehört die Beziehung zwischen der jungen und der älteren Generation allein den Eltern? Ich sage „nein“. Doch nach dem Gesetz sind sie erziehungsberechtigt und dürfen den Kontakt untersagen.

Haben Großeltern Rechte?

Seit vielen Jahren gibt es für Großeltern ein Umgangsrecht, das sie vor einem Gericht einklagen können. Voraussetzung ist eine enge Bindung des Enkelkindes an Oma und Opa. Für uns kam die Inanspruchnahme dieses Rechts nie infrage. Nicht, weil uns die Situation egal ist. Sondern weil wir unsere Enkelkinder schützen möchten. Wir sind überzeugt, dass sie unter der Situation leiden. Es ist keine Lösung, sie in einen neuen Konflikt zu stürzen. Denn wir können davon ausgehen, dass unser Sohn und unsere Schwiegertochter alles versuchen werden, um zu verhindern, dass wir Rechte bekommen.

Wir haben uns mit der Situation arrangiert. Über den intensiven und harmonischen Kontakt mit den Familien unserer anderen Söhne sind wir sehr glücklich. Mein Mann und ich sind nicht nur Eltern und Großeltern, sondern auch ein Paar. Unser Leben ist mit unserer Arbeit, der immer noch großen Familie und den Aktivitäten, denen wir nachgehen, ausgefüllt. Selbstverständlich wäre viel Platz für unsere drei Enkelkinder. Doch wir mussten uns stark anpassen und haben uns nicht selten verbogen, um den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nachdem ein Abbruch zum vierten Mal herbeigeführt wurde, zogen wir uns zurück.

Gibt es Hilfe für Großeltern, die von einem Kontaktabbruch betroffen sind?

Uns hat es geholfen, unser Leben auszufüllen. Als unser erstes Enkelkind geboren wurde, waren wir Anfang 40. Wir hatten unseren Sohn früh bekommen. Der Jüngste war zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt. Wir haben es geliebt, so junge Großeltern zu sein. Doch wir merkten schnell, dass wir für Normalität im gemeinsamen Umgang einen hohen Preis zahlen. Je älter unser jüngster Sohn wurde, desto mehr Freiheiten gewannen wir zurück. Das haben wir ausgenutzt uns irgendwo ein neues Leben begonnen.

Mein Mann und ich finden Halt aneinander. Wir sehen zwei weitere Enkelkinder aufwachsen. Das stopft die Lücke in unserem Leben keineswegs. Aber wir genießen es und sind glücklich über jeden Moment, den wir gemeinsam verbringen. Familie hat für uns einen großen Wert.

Uns ist bewusst, dass es Großeltern gibt, die sich mit der Situation nicht abfinden können. Die darunter leiden, ihre Enkelkinder nur aus der Ferne oder gar nicht zu sehen. Die Bundesinitiative Großeltern bietet Hilfe an. Wir selbst haben das nie in Anspruch genommen. Wenn du betroffen bist und niemanden hast, dem du deine Sorgen anvertrauen kannst, dann findest du dort Ansprechpartner und kannst Kontakt zu Gleichgesinnten aufnehmen.

Wollen die Enkel Oma und Opa eines Tages wiedersehen?

Wir hoffen, dass der Tag kommen wir, an dem unsere Enkelkinder für einen Kontakt zu uns offen sind. Vielleicht, wenn sie erwachsen sind und Fragen mit sich tragen, die sie zu Hause nicht beantwortet bekommen. Unser ältestes Enkelkind hat diese Schwelle bald überschritten. Die Hoffnung ist da, aber sie lähmt uns nicht. Wir klammern uns nicht daran. Doch unsere Tür steht immer offen.

In diesem Zusammenhang ergeben sich für uns viele Fragen. Wie sollen wir erklären, was der Grund war, wenn wir ihn nicht wissen? Wir haben uns reflektiert und versucht, eine Erklärung zu erhalten. Leider war es vergebens.

Unseren Enkelkindern möchten wir sagen, dass wir traurig sind, ihr Heranwachsen nicht miterlebt zu haben. Dass wir sie immer vermissten und es uns anders gewünscht hätten. Doch sie könnten ihre Eltern damit konfrontieren. Wäre ein Graben zwischen Eltern und Kindern die Folge eines solchen Gesprächs?

Hinterfragen die Eltern mögliche Konsequenzen ihres Handelns?

Für jedes Kind kommt der Tag, an dem es seinen 18. Geburtstag feiert. Es ist die Zeit der Loslösung von den Eltern. Für den einen früher, für den anderen später. Das Baby, deren Großeltern es nach der Geburt nicht kennenlernen durften, weil die Eltern Zeit für sich haben wollten. Oder der Junge, der am Smartphone daddeln, aber den Sandmann nicht sehen durfte. Das Mädchen, dem der Kontakt zur Oma wegen einiger Bonbons untersagt wurde: Alle drei gewinnen Jahr für Jahr an Reife. Vielleicht spüren sie früher oder später, dass ihnen ein Teil ihres Lebens fehlte.

Und was ist dann?

Eltern denken nicht gern an den Tag, an dem ihre Kinder flügge werden. Das ging uns nicht anders. Der Trubel, den vier lebhafte Söhne zwischen Pubertät und Windeln in ein Haus bringen, wandelt sich zwei Jahrzehnte später in eine bleierne Stille. Das müssen Eltern aushalten. Auch, dass ihre Kinder eigene Wege gehen, die sie unter Umständen zu den Großeltern führen.

Unwahrheiten, leichtfertige Entscheidungen oder ungelöste Konflikte, für die Großeltern das Ventil darstellten, können später die Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern belasten. In einigen Familien führt dies zu erneuten Kontaktabbrüchen. Ein Kreis, der sich durch die Genrationen zieht. Die alten Werte können das verhindern. Toleranz, Achtung und Wertschätzung vor dem Leben des anderen. Kinder sind nicht das Eigentum der Eltern. Sie wachsen zu eigenständigen Menschen heran. Und treffen eigene Entscheidungen. Unter Umständen auch die, Oma und Opa zu besuchen.

Im dritten Teil meiner Großeltern-Enkel-Reihe betrachte ich die Perspektive der jungen Frauen und Männer, die ohne Oma und Opa aufwachsen mussten.

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JE 2026-16

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