Wenn die Bindung zum Enkelkind fehlt

Wenn die Bindung zum Enkelkind fehlt

Es gibt Großeltern, die ihren Enkelkindern mit sehr viel Liebe und Herzenswärme begegnen. Anderen gelingt das nicht. Sie haben nur wenig Bindung zu den Enkeln und stellen nicht selten Forderungen an die Erziehung, die schulischen Leistungen und den späteren Beruf. Es gibt Belehrungen, oft stehen nicht nur die Enkel, sondern auch die Eltern im Mittelpunkt der Kritik. Welche Gründe hat es, dass Großeltern keine oder nur eine geringe Bindung zum Enkelkind aufbauen können? Ich stelle mir diese Frage, weil meine Kinder nie eine gesunde Beziehung zur Mutter meines Mannes hatten. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis wir glaubten zu verstehen, warum das Verhältnis so schwierig war. Meine Kinder hatten keine Schuld und meine Schwiegermutter auch nicht. Ihr fehlte das Glück, im Leben. Für die Enkelkinder ist es traurig, wenn ihnen nicht die Liebe entgegengebracht werden kann, die sie verdienen. Aber es ist nicht möglich, ein gutes Verhältnis zu erzwingen. Hier ist unsere Geschichte.

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Wenn Großmütter belehren oder zu viel erwarten, kann es passieren, dass sich Enkelkinder ab einem bestimmten Alter abwenden.

Die romantische Vorstellung von der Liebe zwischen den Generationen

In vielen Familien ist die Beziehung zwischen den Großeltern und den Enkeln von einer tiefen Bindung und viel Liebe geprägt. Daraus erwächst häufig eine romantische Vorstellung, wie das Zusammenleben zwischen Großeltern und Enkelkindern zu sein hat. Oma und Opa verbringen Zeit mit den Enkeln. Sie verwöhnen mit Ausflügen, Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Und sie sind da, wenn es mit den Eltern einmal schwierig wird. Sie hören zu, vermitteln, zeigen mit ihrer Lebenserfahrung Verständnis.

Großeltern haben eine andere Sicht auf die Welt. Sie erzählen Erlebnisse aus ihrem Leben und geben die Geschichte der Familie an die nächsten Generationen weiter. Sie sind ein wertvolles Bindeglied und spielen eine wichtige Rolle im Leben der Enkel.

Wenn Enkel mit Liebe und Zuwendung aufwachsen dürfen, ist das ein Geschenk. Doch leider kann es auch anders sein. Es gibt Großeltern, die an den Enkelkindern wenig Interesse haben. Die erziehen, kritisieren, mitunter sogar maßregeln oder ablehnend sind.

Großeltern, die nicht nicht lieben können

Wir Menschen sind unterschiedlich. Die Familie, in die wir hineingeboren werden, unterscheidet sich von den Nachbarn, Schulkameraden, Freunden oder den Mitgliedern im Sportverein. Genauso unterschiedlich sind die Lebensumstände, in denen die Großeltern aufgewachsen sind. Die Kindheit und Jugend prägt für ein ganzes Leben.

Wenn Oma und Opa keine Liebe geben und nur wenig Bindung aufbauen können, ist es falsch, einen Schuldigen zu suchen. Die Gründe liegen oft tief in der eigenen Lebensgeschichte.

Unsere Kinder hatten von väterlicher Seite Großeltern, zu denen sie keine Bindung aufbauen konnten. Auch unser Verhältnis zur Herkunftsfamilie meines Mannes war schwierig. Mehr als dreißig Jahre dauerte es, bis wir zu verstehen glaubten, warum meine Schwiegermutter und ihr Ehemann, der nicht der leibliche Vater meines Mannes war, ihre Enkelkinder nicht in ihr Herz schließen können.

Mit den Jahren lösten sich Groll und Wut auf. Wir begannen zu verstehen, dass das Leben meine Schwiegereltern auf eine Weise geformt hatte, die es ihnen nicht erlaubte, eine Beziehung zu unserer Familie aufzubauen. Heute sind die Kinder erwachsen und haben selbst Kinder. Die fehlende Bindung zu den Großeltern setzt sich in der nächsten Generation leider fort. Der Kontakt ist so gut wie nicht vorhanden.

Warum hat es bei uns nicht funktioniert? – Ein Blick auf meine Familie

Ich war ein Teenager, als ich meinen Mann kennenlernte. Vom ersten Tag an fühlte ich mich in seinem Elternhaus nicht willkommen. Genauer gesagt wurde ich herausgeworfen. Bis mein Mann ein gutes Jahr später seine Heimat verließ, um von Mecklenburg nach Brandenburg zu ziehen, mussten wir gegen viele Widerstände kämpfen. Unser erstes Kind war zu diesem Zeitpunkt schon geboren. Ich war noch nicht einmal achtzehn Jahre alt. Nachdem meine Schwiegermutter davon erfahren hatte, riet sie mir, abzutreiben oder heiß zu baden. Dann würde es schon abgehen.

Diesen Rat, den ich heute als absolut grenzüberschreitend empfinde, bekam ich vierzehn Jahre später noch einmal. Ich war mit unserem vierten Kind schwanger und antwortete sachlich, dass eine Abtreibung in der 20. Woche nicht mehr möglich war. Ganz bewusst hatten wir so lange gewartet, bis wir die Schwangerschaft kommunizierten. Wir trafen uns nur sehr selten.

Wir haben heute fünf Enkelkinder. Ich musste jedes Mal die Tränen zurückhalten, wenn wir erfuhren, dass wir Großeltern werden. Bei meiner Schwiegermutter war es faktisch Ablehnung vom ersten Moment an.

Kinder spüren Ablehnung

Überschwängliche Freude über die Geburten unserer Kinder konnte meine Schwiegermutter nie empfinden. Vier Kinder sind in der heutigen Zeit viel zu viel, sagte sie unverblümt, nachdem sie von meiner letzten Schwangerschaft erfuhr. Das darf sie so sehen. Wir wollten es genau so.

Sie hatte keine Eile, ihre Enkel kennenzulernen. Und vieles an ihnen war falsch. Das Schreiben mit der linken Hand, das laute Toben durch den Garten, später die Schulnoten und die Berufswahl. Die Kinder spürten das. Mit jedem zusätzlichen Lebensjahr hatten sie weniger Lust, zu den Familientagen mitzukommen. Da sich die Großeltern in ihrer Gegenwart mit Streit und Diskussionen nie zurückhielten, zogen sich die Kinder zurück. Mit der Volljährigkeit schlief der Kontakt weitestgehend ein.

Kinder haben feine Antennen. Dass sie Auseinandersetzungen innerhalb der Familie mitbekommen, ist nicht gut. Doch wir konnten es nicht verhindern. Meine Schwiegermutter und ihr Ehemann haben mit ihrer Kritik an unserem Leben nicht gespart. Kinder lieben ihre Eltern und wollen sie schützen. Irgendwann ziehen sie sich zurück. Es war für sie eine Last, wenn wir die Herkunftsfamilie meines Mannes besuchen fuhren oder wenn sie zu uns kamen.

Die Generation der Nachkriegskinder

Wir haben lange geglaubt, dass es an mir lag. An meiner freien Erziehung, die ich in meinem Elternhaus genoss. Am unkonventionellen Beruf. Oder an der Tatsache, dass ich mein Mann aus seiner Heimat „weggeholt“ habe. Doch es lag nicht an uns oder an unserem Leben. Es war auch keine Ablehnung aus einer Laune heraus. Meine Schwiegermutter konnte für uns als Familie und für ihre Enkelkinder keine Liebe empfinden. Ihren Sohn liebte sie. Aber sie konnte es nicht zeigen. Sie konnte nicht aus ihrer Haut.

Geboren im Zweiten Weltkrieg, wurde sie aus ihrer Heimat in Deutsch-Böhmen vertrieben. Sie war drei Jahre alt, hatte vier Geschwister. Der Vater war im Krieg geblieben. In einem mecklenburgischen Dorf fanden die Familie eine neue Heimat. Doch wie viele Flüchtlinge, stießen sie auf Ablehnung. Das prägte die Kindheit und den Charakter.

Während alle Geschwister stabile Beziehungen fanden und ein gutes Verhältnis zu Kindern, Enkeln und Urenkeln hatten, war es meiner Schwiegermutter nicht vergönnt. Mein Mann ist ein Kind aus einer Affäre, eine gemeinsame Zukunft mit dem leiblichen Vater gab es nicht.

Kein Jahr verging bis zur zweiten Schwangerschaft von einem anderen Mann. Schnell wurde geheiratet. Weder erfuhr mein Mann, dass er einen anderen Vater hatte, noch wollte sein Stiefvater ihn adoptieren. Er bekam den Familiennamen durch Einbenennung. Und wuchs in einer Atmosphäre mit viel Struktur und wenig Liebe auf.

Du hast von meinem Geld gelebt

Diesen Satz sagte der Stiefvater zu meinem Mann. Mehr als drei Jahrzehnte waren vergangen, seit er seine Familie verlassen hatte, um mit mir und unserem ersten Kind in meiner Heimat zu leben. Die Worte waren das Ende unseres gemeinsamen Weges. Wir haben ihn nicht mehr wiedersehen wollen. Zwei unserer mittlerweile erwachsenen Kinder waren bei der Diskussion dabei. Es ging um die Frage, wer der leibliche Vater meines Mannes war. Meine Schwiegermutter konnte sich nicht mehr erinnern. Es war gelogen. Denn nachdem wir wussten, wer der leibliche Vater meines Mannes war, hatte sie plötzlich ganz viel Erinnerung. Die ausschließlich negativ war.

Es gibt keinerlei Bindung aneinander

In unserem Familienleben spielt die Mutter meines Mannes keine Rolle mehr. Die gegenseiten Besuche ohne konkreten Anlass schliefen zuerst ein. Später auch die Einladungen zu runden Geburtstagen. Heute telefoniert mein Mann einige Male im Jahr mit ihr. Beide Seiten haben die Situation akzeptiert.

Unsere erwachsenen Kinder gehen mit der Situation ganz unterschiedlich um. Zwei lehnen jeglichen Kontakt ab. Die anderen beiden denken ab und zu darüber nach, ob man mit den Urenkeln nicht einmal einen Besuch abstatten könnte. Doch meine Schwiegermutter, sie ist gesund und führt gemeinsam mit ihrem Mann ein selbstbestimmtes Leben, kann sich gar nicht die Namen der Schwiegerkinder und Urenkel merken.

Schulnoten anstelle von Hobbys

Als einer meiner Söhne etwa elf Jahre alt war, sagte er: „Oma fragt immer nur nach meinen Schulnoten. Aber nie nach meinen Freunden oder meinen Hobbys.“

Dieser Satz beschreibt das Verhältnis sehr gut. Es gab kein Interesse. Keine Liebe. Keine gegenseitige Fürsorge. Die Beziehung war kalt und von vielen Auseinandersetzungen geprägt. Weder für uns noch für unsere Kinder war sie wertvoll.

Bis heute, meine Schwiegermutter ist hochbetagt, lässt sie bei Telefonaten mit meinem Mann nicht davon ab, uns unser „falsches“ Leben vorzuhalten. Mein Mann respektiert ihre Meinung mittlerweile und versucht, Familienthemen zu umgehen und Belanglosigkeiten auszutauschen.

Wenn Mütter Liebe nicht zeigen können

War das schwierige Verhältnis für meine Schwiegermutter in Ordnung? Innerlich litt sie sicherlich darunter. Manchmal standen plötzlich Tränen in ihren Augen. Aber ich denke, wir waren eine Belastung für sie.

Meine Schwiegermutter erfuhr als Flüchtlingskind Ablehnung von ihrem Umfeld. Ihr Bruder sagte einmal, wir waren Flüchtlinge, und wir wurden auch so behandelt. Die Mutter war mit fünf Kindern allein. Das prägte das Aufwachsen.

Nachdem meine Schwiegermutter ein zweites Mal ungeplant schwanger wurde, folgte eine überstürzte Hochzeit mit einem Mann, deren Kind sie unter dem Herzen trug, den sie aber kaum kannte. Es war immer eine kalte Atmosphäre, im Elternhaus meines Mannes. Wer nie Liebe empfängt, kann keine Liebe geben. Das habe ich einmal irgendwo gelesen, und ich denke, es trifft den Kern.

Heute haben beide Seiten ihren Frieden mit der Situation gemacht. Meine Schwiegermutter liebte ihr Kind, meinen Mann. Aber sie konnte es nicht zeigen. Die Schwangerschaft war nicht gewollt, der Kindsvater konnte nicht mit ihr leben. Das hat sie tief enttäuscht. Die Ähnlichkeit meines Mannes mit seinem leiblichen Vater tat das Übrige hinzu.

Wir haben dir einen Weg bereitet, du wolltest ihn nicht gehen

Es ist ein weiterer Satz von meinem Stiefschwiegervater. Und er erklärte ihn: Weil mein Mann in seinem Haus aufwachsen durfte, sollte er sich mit lebenslanger Dankbarkeit erkenntlich zeigen. Seine Wunschlehre wurde ihm nicht erlaubt. Dass er einmal sein Elternhaus verlässt, war schon gar nicht geplant. Es führte zum Bruch, wir hatten nie eine Chance.

Manchmal ist die Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern nicht wertvoll, sondern eine Belastung. Und Abstand ist der einzige Weg, die toxische Verbindung zueinander aufzulösen.

Ich hätte meinen Kindern liebevolle Großeltern gewünscht

Da mein Vater früh starb, hatten meine Kinder nur eine Oma. Ihren leiblichen Opa väterlicherseits lernten sie erst kennen, als sie erwachsen waren. Mich macht das bis heute traurig. Ich hätte meinen Kindern liebevolle Großeltern gewünscht. Doch meine Schwiegermutter und ihr Mann konnten das nicht geben. Manche Dinge im Leben müssen wir akzeptieren.

Aus dieser individuellen Erfahrung heraus erstaunt es mich, wie einige junge Eltern heute argumentieren. In sozialen Netzwerken, in Foren oder in Zeitungsberichten stellen sie klar, dass sie die Beziehung zu den Großeltern sofort abbrechen würden, wenn sich diese nicht wie erwartet verhalten.

Mein Mann und ich entstammen einer anderen Generation. Wir haben über drei Jahrzehnte ganz viel versucht. Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, dass Großeltern und Enkelkinder trotz schwieriger Beziehung zueinander Kontakt miteinander haben. Es war nicht von Erfolg gekrönt.

Was ich jungen Eltern gern sagen möchte

Gebt die Beziehung zu den Großeltern Eurer Kinder nicht leichtfertig auf. Versucht, Euch in Euren Ansichten und Lebensformen anzunähern. Der kleinste gemeinsame Nenner ist immer noch besser, als ein Kontaktabbruch. Er zieht sich durch das ganze Leben.

Urteilt nicht leichtfertig, wenn Ihr von einem Kontaktabbruch hört oder lest. Nicht immer ist es die böse Schwiegermutter, die an ihrem Sohn klammert. Eltern, die davon betroffen sind, haben nicht automatisch alles falsch gemacht. Wir Menschen sind verschieden, die Gründe für ein schwieriges Verhältnis sind es auch. Wenn ich davon lese, macht es mich traurig. Weil es das ganze Leben belastet.

Einige Erfahrungen habe ich in meiner Romanreihe „Anna und Mike“ verarbeitet. Dort gibt es einen Konflikt zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter, die sich auf die Beziehung zu den Enkelkindern auswirkt. Diese ist eng an meine eigene Geschichte angelehnt.

Wir wollten es besser machen

Mein Mann und ich wollten alles anders, alles besser machen. Gelungen ist es uns nicht, denn auch wir sehen nicht alle Enkelkinder aufwachsen. Hier liegen die Gründe wieder anders, und auch an dieser schwierigen Bindung trägt niemand eine Schuld. Vielleicht hätten wir noch mehr versuchen sollen. So haben wir unseren Kindern den Weg des geringsten Widerstandes vorgelebt: Es ist schwierig, also fahren wir nicht mehr hin.

Ich schreibe so offen darüber, weil es ein Thema ist, das die Gemüter beschäftigt. Heute geht es um Süßigkeiten, die Oma nicht geben darf, oder um zu viel Einmischung. Meine Bitte: Redet miteinander, sucht Lösungen, übt Toleranz. Denn ein Leben voller Konflikte in der Familie belastet auch dann, wenn es keinen Kontakt zueinander gibt. Und es trägt sich häufig weiter, in die nächste Generation. Es ist eine unendliche Geschichte. Eine traurige Geschichte, die jeder, der es kann, irgendwie verhindern sollte!

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JE 2026-21

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